Vergleiche zwischen dem CMS TYPO3 und Joomla sind meist recht einseitig. Viele arbeiten nur mit einem CMS und schauen das andere nur oberflächlich an. Ich habe zahlreiche Joomla Projekte umgesetzt. Nun habe ich ein Buch über TYPO3 gelesen und ein kleineres Projekt damit umgesetzt. Hier möchte ich meine Erfahrungen wiedergeben.
Das TYPO3 Backend

Das Joomla! Backend

Was das Design des Backends betrifft hat sich bei den letzten TYPO3 Updates einiges getan. Das typische “Programmierer” Design wurde überarbeitet und die Usability verbessert. Heute macht die Oberfläche einen äusserst soliden Eindruck auf mich.
Was bei Joomla auffällt ist der fehlende Seitenbaum. Joomla trennt Artikel von der Navigation komplett was bei Anwendern zu Usability Problemen führen kann. Die Inhalte sucht man über die Tabelle nach Titelbezeichnung mittels Filter.
Die Inhalte sind bei TYPO3 in Blöcke aufgeteilt welche flexibel zugeordnet werden können und sich vom Typ unterscheiden. Diese können auch referenziert werden, so dass der gleiche Block mehrmals vorkommen kann. Joomla! kennt nur einen Artikel “Block” pro Seite. Dafür können jeder Seite Module zugewiesen werden. Dafür muss man allerdings in den Modul Manager wechseln.
Vergleich: TYPO3 Funktionen versus Joomla Funktionen
Selbstverständlich können alle Funktionen praktisch immer durch Erweiterungen hergestellt werden. Allerdings führt dies zu zusätzlichem Aufwand. Zudem erschwert es künftige Updates. Folgende Funktionen sind in der Grundausstattung dabei:
| Funktion | Joomla! | Typo3 |
|---|---|---|
| Zufalls Modul | Ja | Nein |
| Umfrage Modul | Ja | Nein |
| Verschlüsselung Email Adressen (Anti-Spam) | Ja | Ja |
| Editieren über das Frontend | Ja | Ja |
| Suchfunktion | Ja | Ja |
| Cache System | Ja | Ja |
| Zeitgesteuertes Verwalten von Inhalten | Jein | Ja |
| Vorschau Entwurfsansicht (Draft) | Nein | Ja |
| Internes Backup System | Nein | Ja |
| Verwaltung mehrerer Webseiten | Nein | Ja |
| Mehrsprachiges Frontend | Nein | Ja |
| Mehrsprachiger Adminbereich pro Nutzer einstellbar | Nein | Ja |
| Differenzierte Benutzergruppen-Definition und Rechtevergabe | Nein | Ja |
| Anbinden verschiedener Datenbanken | Nein | Ja |
| Versionierung | Nein | Ja |
| Automatisch skalieren, schärfen und komprimieren von Bildern | Nein | Ja |
| Automatisch umwandeln von Bildformaten | Nein | Ja |
| Automatisch schreiben von Bildtexten | Nein | Ja |
| Inhalte in modulare Blöcke unterteilt | Nein | Ja |
| iPhone App zur Newsverwaltung | Nein | Ja |
Bezüglich Funktionen macht TYPO3 niemand was vor. Hier ist TYPO3 unter allen Open Source CMS Lösungen der klare Leader.
Vergleich des Aufwands für die Umsetzung eines Projekts
Eine TYPO3 Installation ist aufwändiger als eine Joomla Installation. Zudem sind beim Erstellen von Templates TypoScript Kenntnisse notwendig. Das macht auch die Einarbeitung schwieriger. Der Aufwand relativiert sich dadurch, dass weniger Erweiterungen installiert werden müssen.
Verbreitung des CMS
Beide CMS gehören zu den am weitesten verbreiteten Open Source Lösungen. Allerdings wird TYPO3 von Joomla bei weitem übertroffen. Aktuell findet Google 5’890’000 Ergebnisse zum Wort TYPO3. Zum Wort Joomla sind es gar 65’500’000. Damit haben beide CMS eine gesicherte Zukunft vor sich. Der Vorsprung von Joomla! erklärt sich teilweise dadurch, dass es oft bei kleinen Websites (Vereine, Privat) zum Einsatz kommt. Interessant ist auch die Grafik von Google Trend: Joomla! versus TYPO3.
Auch bei der Anzahl der Erweiterungen hat Joomla die Nase vorn. Bei Joomla! sollen es ungefähr 5’000 sein während es bei Typo3 nur 4’696 sind. Google findet für die Suche nach Joomla Extension 8 Mio. Treffer, für die Suche nach Typo3 Extension nur 5 Mio. Treffer.
Sicherheit
Seit 2006 arbeite ich mit Joomla und habe in dieser Zeit etwa 30 Webseiten damit umgesetzt. Dabei wurde einmal eine Seite gehacked. Gemäss meinem Hoster soll dies allerdings sehr häufig vorkommen. Mit TYPO3 habe ich noch nicht genügend Erfahrung. Allerdings gehe ich davon aus, dass es wesentlich sicherer ist.
Wer arbeitet mit TYPO3 bzw. Joomla?
Mit TYPO3 arbeiten hauptsächlich grössere Webagenturen. Als klassisches Enterprise Content Management (ECMS) kommt es hauptsächlich bei Firmenwebsites zum Einsatz. Joomla hingegen wird von selbstständigen Entwicklern meist für kleinere bis mittlere Websites eingesetzt. Zudem kommt es häufig bei Vereinen und privaten Sites zum Einsatz, da mit fertigen Templates sehr einfach eine kleine Webseite erstellt werden kann.
Fazit
Beide CMS Lösungen haben ihr Vor- und Nachteile. Es gibt keinen Gewinner. Je nach Anforderung macht das eine oder andere CMS Sinn.
Was ist eure Meinung und was habt ihr für Erfahrungen mit CMS Lösungen gemacht?